Der Klavierunterricht

 

 

Das Üben zu Hause - Das Vorspielen - Das Zusammenspiel - Die Haltung und die Technik - Unterrichtvorschläge für den Anfangsunterricht - Hinweise zu meinen Büchern

 

Das wichtigste Konzept beim Unterricht ist für mich, auf jeden Schüler individuell einzugehen. Da meine Schüler zwischen 5 Jahre und mehr als 70 Jahre alt sind, ist es unmöglich, nach einem festgelegten Schema zu unterrichten.

 

 

Das Üben zu Hause

 

Fast immer werde ich gleich zu Beginn des ersten Gesprächs gefragt, wie häufig geübt werden muss. Auf diese Frage habe ich keine eindeutige Antwort. Wer sich jeden Tag eine Stunde ans Klavier setzen kann und in dieser Zeit konzentriert die Stücke und Übungen einstudiert, die während der Unterrichtsstunde besprochen wurden, kommt natürlich schneller voran als der berufstätige Erwachsene, der selten Zeit findet, sich noch kurz vor der Unterrichtsstunde vorzubereiten.

 

Wenn Eltern sich bei mir beklagen, dass ihre Kinder zu wenig üben, lohnt es sich, herauszufinden, was die Ursachen sind:

sind die Stücke zu langweilig oder zu schwierig, sind die Kinder anderweitig zu sehr eingespannt (Schule, Sport, Konfirmandenunterricht oder andere Kurse, die die Kinder noch neben dem Klavierunterricht besuchen) oder haben sie einfach mal vorübergehend keine Lust, gehen aber immer noch gern zur Klavierstunde. Auf keinen Fall sollte der Druck zu groß sein, der auf das Kind ausgeübt wird. Immer wieder muss mit den Schülern auch im Unterricht geübt werden.

 

Meine Tochter ging regelmäßig zum Reitunterricht, konnte aber nie das Reiten „üben“, weil sie kein Pferd besaß und auch für ein Pflegepferd nicht genug Zeit hatte. Dennoch hat sie auf keine Reitstunde verzichten wollen.

Ich will damit nicht sagen, dass die Kinder das Klavier üben zu Hause lassen sollen, vielleicht sollte man vorübergehend einfach auf das Wort „üben“ verzichten und die Kinder dazu ermuntern, Klavier zu „spielen“.

 

Meine eigenen Kinder haben sich viele Jahre an folgende Vereinbarung gehalten:

3 x in der Woche die Stücke, die im Unterricht besprochen wurden, häufiger spielen oder auch üben.

 

Natürlich ist es sowohl für den Lehrer als auch für den Schüler interessanter, wenn man sich für den Unterricht vorbereitet. Trotzdem ist es wichtig, Verständnis zu haben für die Zeit, in der zu Hause nicht mit der Regelmäßigkeit gespielt wird, die man sich als Eltern wünscht.

Damit das Interesse am Instrument nicht verloren geht, ist es schon ein Erfolg, wenn die Kinder wenigstens die Zeit beim Unterricht nutzen, noch Klavier zu spielen.

Um den Unterricht nicht abzubrechen, können sich Schüler und Lehrer immer wieder ein neues Ziel setzen, das erreicht werden soll.

 

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Das Vorspielen

 

 

Für das sichere Vorspielen muss vor allen Dingen das „Weiterspielen“ trainiert werden. Jeder Orchestermusiker lernt das von Anfang an, während Solisten (in diesem Fall besonders Pianisten) sehr darunter leiden, beim ersten Fehler den Anschluss zu verpassen, rauszukommen, beim Noten lesen nicht mehr zu wissen, wo sie sind, im Extremfall die Hände von der Tastatur fallen zu lassen und kurz vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen. 

Darum lasse ich die Stücke viel durchspielen, setze mich an beim Zuhören nicht auf meinen Unterrichtsstuhl, sondern an einen anderen Platz und singe oder spiele auf einem zweiten Instrument mit. Wer kein weiteres Instrument besitzt, muss sich auf das Mitsingen beschränken.

 

Die meisten wollen zu ihrer eigenen Freude spielen. Einige aber wollen durchaus auch ein Stück so gut beherrschen, dass sie es vor Freunden oder Bekannten vorspielen können (aber das wollen längst nicht alle!)

 

Darum organisiere ich einmal im Jahr ein Schülervorspiel mit den Kindern und Jugendlichen. Dabei lege ich großen Wert darauf, dass die Teilnahme absolut freiwillig ist und bin jedes Mal überrascht, wie viele sich zu dieser kleinen Veranstaltung anmelden.

 

Unsichere Stellen übe ich auch „fehlerfrei“, obwohl das genau das Gegenteil von dem ist, was beim Vorspiel wichtig ist.

Aber: beim Vorspielen Fehler überspielen und schummeln!

 

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Das Zusammenspiel

 

sollte schon von Anfang an gefördert werden. Für die ganz kleinen Pianisten habe ich das Klavierbuch Tiere in meinem Garten geschrieben und es ist für lange Zeit das Lieblingsbuch aller Anfänger. Die Stücke können unabhängig sowohl allein als auch mit einem Partner gespielt werden. Die Lieder bewegen sich zu Beginn über längere Zeit nur in Tonschritten und ausschließlich im Fünftonraum. Da beide Spieler im gleichen Schwierigkeitsgrad spielen, ist das Buch sehr gut für zwei Anfänger geeignet. Selbst ein dritter Spieler kann mit einer einfachen Begleitung dazu spielen. 

 

Ähnlich ist das Buch 16 Klavierstücke zu 4 Händen angelegt. Dieses ist für jede Alterstufe geeignet und enthält am Schluss schon die ersten Klassiker wie Haydn, Schubert, Schumann und Mozart.

 

Leider gibt es für Anfänger am Klavier noch sehr wenig Literatur, um andere Instrumentalisten zu begleiten. Ich habe zu meinem Weihnachtsbuch für Klavier ein Weihnachtsbuch für Flöten bzw. Violinen geschrieben, in dem es allerdings für den Flöten – und Violinspieler nicht ganz so einfach ist, aber endlich muss hier nicht der Klavierspieler so viel üben.

 

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Die Haltung und die Technik

 

Voraussetzung für eine gute Technik ist eine gute Haltung. Aber auch dies ist individuell sehr unterschiedlich. Der Pianist Glenn Gould hat sich extra seinen sehr niedrigen Klavierstuhl anfertigen lassen, um seine Musik besser gestalten zu können, während Arthur Rubinstein gern recht hoch saß. Kann man also sitzen, wie man möchte? Eigentlich schon, wenn man sich dabei wohl fühlt und nicht verkrampft.

 

Aber was ist eine gute Technik und wann beginnt man damit, sich diese anzueignen?

Ich beginne damit im Unterricht nicht unbedingt in der ersten Stunde, manchmal sogar erst nach einem Jahr. Abhängig ist dies auch von der Größe und der Form der Hände, vom Alter des Schülers und vom Vertrauen, dass einem der Schüler entgegen bringt. Viele angehende Klavierspieler sind von der Notwendigkeit einer ordentlichen Fingerhaltung nur schwer zu überzeugen und sehen erst sehr viel später ein, dass bestimmte Übungen einfach notwendig sind zur Bewältigung bestimmter technischer Schwierigkeiten. Auch viele erwachsene Anfänger wollen sich mit diesen lästigen Beiwerk nicht herumschlagen und lehnen es einfach ab, zu Hause die entsprechenden Übungen zu spielen.

 

Aber alle Schüler sind damit einverstanden, die Übungen mit mir in der Unterrichtstunde zu üben und dies mache ich fast jedes Mal, sozusagen zum „Einspielen“.

Ich lasse die Übungen, wenn sie in C-Dur sicher und auswendig gespielt werden können, dann unbedingt in anderen Tonarten spielen und richte mich dann nach der Tonart, in der das Spielstück steht. Wenn das Spielstück allerdings in einer Moll-Tonart steht, lasse ich die Übung dann in der entsprechenden Dur-Tonart spielen. In Moll gespielt werden die Übungen zu kompliziert, weil man vorweg noch das Harmonische Moll erklären müsste und der erhöhte 7. Ton klingt in den Übungen dann etwas unglücklich (so schön er auch in den Spielstücken klingen mag).

Ansonsten gibt es allgemeine Hinweise zur Haltung im Vorwort des Heftes Fingerspiele.

 

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Unterrichtvorschläge für den Anfangsunterricht

 

Notenlesen – Fingersätze – Metrum - Rhythmus

 

Wer von Anfang an das Notenlesen lernen will, sollte Lehrbücher wählen, in denen die linke Hand auf jeden Fall mit dem Bassschlüssel beginnt und nicht im Violinschlüssel.

Manchmal werden Keyboard-Bücher angeboten, in denen das Spiel für linke Hand gar nicht erklärt wird. Die meisten Anfänger sind dann ziemlich enttäuscht, da sie doch mit beiden Händen spielen wollen.

 

Noten lernen ist für die meisten Anfänger äußerst schwierig! Diese Schwierigkeit betrifft sowohl Erwachsene als auch Kinder, unabhängig davon, ob sie besonders intelligent sind oder unter Lernschwierigkeiten leiden.

Ich hatte eine Schülerin, die in der Schule sogar eine Klasse übersprungen hatte, aber erst nach 5 Jahren Klavierunterricht das Notenlesen einigermaßen beherrschte. Wer also sehr lange braucht, die Notenschrift zu entziffern, sollte sich ruhig über einen längeren Zeitraum die Notennamen dazu schreiben. Irgendwann wird es schon klappen!

 

Auf keinen Fall sollte man nach Fingersätzen lernen! Nur bei seltenen Ausnahmen ist es sinnvoll, Fingersätze zu ergänzen an Stellen, bei denen die geforderten Finger sowieso schon auf den entsprechenden Tasten liegen. Ansonsten sind Fingersätze nur ein Hinweis dafür, dass die Finger den Fünftonraum verlassen und die Finger über die Tastatur wandern.

 

Das Metronom benutze ich im Unterricht so gut wie gar nicht. Die meisten Schüler stehen unter Stress und fangen an zu spielen, als ob sie in den Startlöchern stehen. Solange das Stück noch unsicher ist achte ich besonders darauf, dass die langen Töne ausgezählt werden und die Tasten liegen bleiben, bis der nächste Griff sicher erkannt ist.

Ich lasse sehr häufig auch die kleinsten Notenwerte zählen. Stücke, die z.B. im ¾ Takt stehen und in denen viele Achtelnoten vorkommen, sind rhythmisch oft besser zu spielen, wenn die Achtelnoten gezählt werden; dies gilt besonders für die punktierten Viertelnote.

 

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Hinweise zu meinen Büchern

 

 

Wer für die erste Zeit am Klavier einen Lehrgang wählt, in dem von Anfang an die Notenschrift eingeführt wird, wird in der Regel bemerken, dass zunächst der Ton c’ erklärt wird. Angeblich soll es für den Schüler am einfachsten sein, sich mit dem Zentrum unseres Tonsystems, nämlich dem c’ vertraut zu machen. Ich mache es fast genauso, allerdings mit einer kleinen Ausnahme: ich lasse den Schüler nicht beide Daumen auf c’ beginnen, weil ich dafür nicht den geringsten Anhaltspunkt bekommen konnte, dass diese Methode für den Anfänger am einfachsten zu verstehen sei. Im Gegenteil. Die häufig gestellte Frage, warum zwei Finger auf einer Taste liegen müssen, konnte ich nie beantworten.

Besonders schwierig ist dieser Beginn für erwachsene Anfänger, da die Daumen größer und breiter sind, als bei Kindern. Ich begann darum, eine Klavierschule zu entwickeln, in der die Daumen nebeneinander liegen.

Siehe: Die Klavierschule